Robert Puczynski

Abstraktionen

Auszüge aus dem Text zur Ausstellung „Abstraktionen“ in der Galerie Schloss Wiespach 2022

Abstraktion ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine künstlerische Sprache jenseits von Abbildung und gegenständlicher Wiedergabe. Die unterschiedlichsten Konzepte haben seither zu abstrakten Gestaltungen geführt, beginnend mit Wassily Kandinsky und Robert Delaunay, über Fauvismus, Kubismus bis zu Informel und Neo Geo. In der Kunstgeschichte sind jeweils die Richtungen der intuitiven, expressiven, heftigen abstrakten Handschrift von derjenigen des rationalen, konzeptuellen, analytischen Vorgehens im abstrakten Gestalten zu unterscheiden. Seit der Bauhaus_Philosophie der 1920er und 1930er Jahre ist die Recherche nach den Grundgesetzen von Farbe, Form und Inhalt beispielgebend für KünstlerInnen bis heute. […] Robert Puczynski ist als Bildhauer von den Vorgaben historischer Figurenkonzepte abgegangen. Er konstruiert seine Plastiken nicht als Konkretisierung der menschlichen Gestalt oder als Konstrukt geometrischer Formen. Puczynski hat schon in seinen frühesten Arbeiten den Werkstoff als die wichtigste Komponente seiner Überlegungen angenommen und die im jeweiligen Material „verborgene“ Form zur Realisierung gebracht.

[…] Diesen gegenüber stehen zwei aufgerichtete Eichenskulpturen von Robert Puczynski: „Resolution IX“ und „Resolution X“. Diese Stelen zeichnen sich durch einen gedachten geschlossenen Kontur und expressive Binnenzeichnung durch Einschnitte und Hohlräume aus – die „Auflösung“ (Resolution) der Materie kündigte sich im Spürbaren der Nicht-Materie an.

[…]

Dazu sind die Holzskulpturen von Robert Puczynski arrangiert, die sich ebenfalls mit den Kompositionsschemata des eigenen künstlerischen Tuns auseinandersetzen. Von dem blockhaften Objekt aus Kirschholz von 2007 (eng verwandt mit dem „Cube“ von 2008 im Vorraum der Ausstellung) über die „tangle II“ von 2013 ist der Weg zur Öffnung hin zu den Skulpturen von 2020/21 zu erkennen. Der Charakter des Holzes, seine Struktur und Farbigkeit sind die „sprechenden“ Anteile der Oberflächengestaltung, nur selten wird eine Akzentuierung durch Farbe vorgenommen. Die Expressivität des Arbeitens mit Säge, Fräse, Beitel, Stemmeisen, Feile ergibt einen heftigen Duktus und einen ausgreifenden, zackenartigen Kontur. Die Plastiken sind in der Mitte ponderiert und greifen fulminant in den Raum aus, sie sind allansichtig und jeder Besucher kann sich „seine“ Perspektive suchen.

In den Kartonarbeiten der Serie „Colourful“ erweist sich nun Puczynski als Kolorist. Er verwendet bedruckte Industriekartons, deren Farbigkeit und Textfragmente die Oberfläche dominieren. Ähnlich wie in den jüngeren Holzarbeiten zeichnen sich die meisten dieser leichten, fragilen, gefalteten Arbeiten durch eine expressiv-linearen Kontur aus. […]

Dr. Margit Zuckriegl